Stiftung
Im Frühjahr 1993 mieteten die Erben Luigi Nonos zwei große Räume eines Palazzettos aus dem 16. Jahrhundert an, der Anfang der 90er Jahre restauriert und mit Hochwasserschutz ausgestattet worden war. Das Gebäude ist als Palazzo Foscari bekannt und befindet sich am Giudecca-Kanal, gegenüber dem Geburtshaus Luigi Nonos. Einer der Räume enthält das eigentliche Archiv, einen Laser-Farbkopierer für die Reproduktion der Manuskripte (dessen Anschaffung durch die Unterstützung des Verlages Ricordi und der Firma Office Tecno Service in Venedig ermöglicht wurde) sowie das Büro. Der zweite Raum dient als Lese-, Hör- und Veranstaltungssaal. Hier steht dem Besucher die Bibliothek des Archivs mit neuerer Sekundärliteratur sowie ein EDV-Katalog der Archivbestände zur Verfügung. Eine Video- und Stereoanlage (gestiftet von Sony Classical Europe) ermöglichen die Konsultation der Ton- und Videodokumente. Träger des Archivs ist die im Dezember 1993 gegründete Associazione ARCHIVIO LUIGI NONO. Nur ein Teil der für den Archivbetrieb und die vielfältigen Aktivitäten anfallenden Kosten werden von der öffentlichen Hand finanziert. Das Archiv ist daher auf Beiträge privater Sponsoren (hier ist vor allem der Verein der Freunde des ARCHIVIO LUIGI NONO zu nennen) und ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen.
«Das Luigi Nono Archiv, das seine Gründung vor allem der Intelligenz, dem Organisationstalent und insbesondere dem unermüdlichen und liebevollem Einsatz Nurias verdankt, ist eine der wichtigsten kulturellen Initiativen der letzten Jahre in Venedig. Es handelt sich um weit mehr als um eine "Hommage", die wir der Persönlichkeit und dem Werk unseres großen Komponisten schuldig sind: es handelt sich um einen Ort der Zusammenkunft und der Erforschung zeitgenössischer Musik in aller der Komplexität ihrer Grenzerfahrungen. Das Archiv ist eine lebendige Spur der Tiefe und des weiten Umfangs der Probleme, mit denen sich Gigi auseinanderzusetzen hatte und denen sich die große Musik unserer Zeit stellen muß, will sie der eigenen Sprache Ausdruck verleihen und sich auch in ihrem eigenen spezifischen Gebiet fortentwickeln. Das Archiv ist Abbild jenes Laboratoriums, jenes Weges des unerschöpflichen Experimentierens, der selbst das Werk Nonos ist, seiner Großzügigkeit, seines nie gestillten Wissensdrangs und seiner Bereitschaft zum Zuhören. Es wird nicht möglich sein, das Werk Luigi Nonos zu verstehen, ohne das Archiv zu kennen. So, wie es nicht möglich ist, zeitgenössische Musik zu kennen, ohne Nono zuzuhören.
Die Stadt Venedig ist Nuria, Silvia und Bastiana dankbar dafür, dieses Archiv gewollt und realisiert zu haben, und sie verpflichtet sich, die schwere Aufgabe mit allen ihr möglichen Mitteln zu unterstützen.»
Massimo Cacciari


